Wir über uns

Die Lebensretter-Formel: Woche der Wiederbelebung vom 14. bis 20. September 2020

Ein plötzlicher Herzstillstand kann jeden treffen. Immer. Und überall. Doch noch immer trauen sich zu wenige Menschen, im Notfall zu helfen – aus Furcht, einen Fehler zu machen. „Dabei ist der größte Fehler, nichts zu tun“, sagt Dr. Raphael Ziegleder. Er ist seit einem Jahr Oberarzt an der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin unter der Leitung von Klinikdirektor Priv.-Doz. Dr. Michael T. Pawlik am Caritas-Krankenhaus St. Josef. Zudem ist Dr. Ziegleder Leiter des dortigen Notarztstandortes. Genau der Richtige also, um anlässlich der Woche der Wiederbelebung (14.09.-20.09.2020) mit ihm zu sprechen, was im Notfall zu tun ist.

Herr Dr. Ziegleder, viele Menschen wollen helfen und rufen den Rettungsdienst. Warum reicht das nicht? 

Bei einem Herzstillstand zählt jede Sekunde – bereits nach drei Minuten wird das Gehirn nicht mehr richtig mit Sauerstoff versorgt. In Folge treten unwiderrufliche Hirn- und Gewebeschäden auf, die schließlich zum Tod führen, wenn nicht schnell und richtig geholfen wird. Mit einer einfachen Herzdruckmassage kann der Restsauerstoff im Blut zirkulieren und so bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes die Überlebenswahrscheinlichkeit entscheidend erhöhen.

Wie merkt man, ob jemand einen Herzstillstand hat?
Bei einem Herzstillstand wird der Betroffene weder auf Ansprechen noch auf ein leichtes Rütteln an der Schulter reagieren. Atmet er auch nicht mehr – was sich leicht überprüfen lässt, indem man beispielsweise das Ohr über Mund und Nase legt und hört, ob noch Atemgeräusche vorhanden sind – so kann man mit größter Wahrscheinlichkeit von einem Herzstillstand ausgehen.

Und dann? Wie kann ich helfen?
Ganz einfach mit der Lebensretter-Formel: „Prüfen. Rufen. Drücken.“ Das heißt, zunächst vergewissert man sich, ob der Betroffene auf ein Ansprechen reagiert und noch atmet. Ist das nicht der Fall, gilt es, den Rettungsdienst unter der Nummer 112 anzurufen.
Anschließend beginnt man mit den Reanimationsmaßnahmen. Dazu legt man den Brustbereich des Betroffenen frei, verschränkt die Finger übereinander und presst mit dem Handballen auf die Mitte des Brustkorbes. Die Arme bleiben senkrecht und gestreckt. Man drückt etwa sechs Zentimeter tief in den Brustkorb und wiederholt dies 100 Mal pro Minute, solange bis der Rettungsdienst eingetroffen ist. Der Rhythmus, den man dabei einhalten sollte, ist leicht zu merken: es ist der gleiche wie beim Bee Gees-Hit „Staying alive“.

Viele scheuen vor der Wiederbelebung zurück – aus unterschiedlichen Gründen. Weil die letzte Erste-Hilfe-Schulung schon weit zurückliegt, aus Angst vor Fehlern, aber auch wegen der Mund-zu-Mund-Beatmung. Was sagen Sie diesen Menschen?
Zunächst einmal: Höchste Zeit, sich bei einem Erste-Hilfe-Kurs anzumelden und seine Kenntnisse aufzufrischen. Aber wie ich gerade ja erklärt habe, kann jeder helfen – auch ohne erst letzte Woche einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert zu haben. Wer sich an „Prüfen. Rufen. Drücken“ hält, der hat schon viel geleistet. Eine Mund-zu-Mund-Beatmung ist bei der Wiederbelebung zweitrangig. Mit der Herzdruckmassage werden Gehirn und Organe bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Und denen die Angst haben, etwas falsch zu machen, kann ich nur sagen: Habt Mut! Am Schlimmsten ist es, nichts zu tun!

Gibt es Ansätze, die Anzahl derer, die im Notfall helfen, zu steigern?
Ja, die gibt es. Ein Ansatz ist diese Woche der Wiederbelebung der BDA/DGAI-Kampagne „Ein Leben retten“. In kürzester Zeit hat sich die Quote derer, die im Notfall helfen und mit der Wiederbelebung beginnen, von 17 Prozent auf rund 40 Prozent mehr als verdoppelt.
Dennoch liegen wir damit noch immer hinter anderen Ländern zurück. In den skandinavischen Ländern beispielsweise liegt die Quote bei rund 70 Prozent. Das liegt vermutlich auch daran, dass in verschiedenen skandinavischen Ländern Wiederbelebung seit mehr als 15 Jahren im Lehrplan der Grundschulen verankert ist. Auch das Caritas-Krankenhaus St. Josef war bereits mit Teams in Regensburger Schulen unterwegs, um Reanimation „zu unterrichten“. In diesem Jahr muss das corona-bedingt leider ausfallen.

 

Zur Person:

       Dr. Raphael Ziegleder ist seit über einem Jahr Oberarzt in der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Caritas-Krankenhaus St. Josef und Leiter des dortigen Notarztstandortes. Zuvor war der Anästhesist über acht Jahre am Universitätsklinikum Regensburg tätig, davon knapp vier Jahre im Bereich Cardio-Anästhesie und Cardio-Intensiv. In diesem Zeitraum leitete er auch zahlreiche boden- sowie luftgebundene Einsätze mit mobiler Herz-Lungen-Maschine (eCPR).    

 

 „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“: Die bundesweite „Woche der Wiederbelebung“

Der plötzliche Herztod ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Doch die Helferquote beim Herzstillstand im internationalen Vergleich ist alarmierend gering. Dabei sind die Maßnahmen zur Wiederbelebung eines Mensen einfach. Man kann nichts falsch machen. Jeder kann es.

Hier setzt die vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) unterstützte „Woche der Wiederbelebung“ unter dem Motto „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“ an. Ziel ist es, das Bewusstsein für lebensrettende Fähigkeiten jedes Einzelnen zu schärfen, Hemmschwellen abzubauen und über lebensentscheidende Sofortmaßnahmen zu informieren. Dabei steht die sich leicht zu merkende Botschaft der Reanimation im Vordergrund: „PRÜFEN. RUFEN. DRÜCKEN!“

Die „Woche der Wiederbelebung“ ist eine Initiative des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. in Kooperation mit dem German Resuscitation Council e. V. und der Stiftung Deutsche Anästhesiologie.

Weitere Informationen: einlebenretten.de

Kontakt Anfahrt Seite drucken© 2002-2019 Caritas-Krankenhaus St. Josef | Impressum | Datenschutz | Sitemap | Design & Programmmierung