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Kleine Ursache – große Schmerzen

Gallensteine und ihre Therapie

Sie sind winzig wie ein Sandkorn, aber auch groß wie eine Haselnuss. Sie bleiben jahrelang unbemerkt oder verursachen heftigste Schmerzen: Gallensteine. Rund 15 Prozent aller Deutschen leiden darunter. Doch wie entstehen sie überhaupt, wie kann man vorbeugen und wann müssen sie behandelt werden? Die Chefärzte Prof. Dr. Roland Büttner und Prof. Dr. Alois Fürst geben Antworten auf diese und weitere Fragen.

 

Herr Prof. Büttner, Sie sind einer der beiden Direktoren der Klinik für Innere Medizin am Caritas-Krankenhaus St. Josef, kommen Menschen mit Gallensteinen immer direkt zu Ihnen in die Klinik?

Nein, auf keinen Fall. Denn rund 75 Prozent der Betroffenen bemerken nicht einmal, dass sie Gallensteine haben. Häufig werden diese zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung entdeckt –ohne, dass diese vorher Beschwerden verursacht haben.

 

Wie entstehen Gallensteine überhaupt?

Hierzu muss man etwas über die Funktion der Gallenblase wissen. Das kleine, birnenförmige Organ sitzt am unteren Ende der Leber und speichert die dort gebildete Gallenflüssigkeit. Dabei handelt es sich um eine Art Verdauungssaft, der Abbauprodukte des Stoffwechsels enthält und im Rahmen der Verdauung in den Dünndarm ausgeschieden wird. Wenn die Zusammensetzung dieses Gallensaftes aus dem Gleichgewicht gerät, zum Beispiel durch zu viel Cholesterin, können sich Kristalle bilden und zu Steinen verklumpen.

 

Wann werden Gallensteine zum Problem?

Gallensteine werden meist dann zum Problem, wenn sie in den Gallengang rutschen oder den Ausgang der Gallenblase verstopfen, so dass es zu Schmerzen oder einer Entzündung der Gallenblase kommt.

 

 

 

 

 

 

 

Auf welche Weise machen sich Gallensteine dann bemerkbar?

Wie gesagt, ganz viele Menschen bemerken gar nicht, dass sie Gallensteine haben – vor allem, wenn sie in der Gallenblase liegen. Wieder andere leiden an Übelkeit oder Völlegefühl, gerade nach fettigem Essen.

Doch oftmals plagen die Betroffenen heftige, krampfartige Schmerzen im Oberbauch, die auch in die Schulter ausstrahlen können. Solche Koliken, ähnlich wie Fieber und hohe Entzündungswerte sind ein möglicher Hinweis auf Gallensteine – meist auf solche, die in den Gallengang gerutscht sind oder den Ausgang der Gallenblase oder des Gallengangs verstopfen.

 

Welche Möglichkeiten gibt es, um herauszufinden, ob derartige Beschwerden tatsächlich von Gallensteinen ausgelöst werden?

Zunächst gehört dazu eine gründliche Anamnese, also ein Gespräch, in dem wir den Patienten genau befragen, welche Beschwerden er hat und wann diese auftreten. Anschließend tasten wir den Bauch ab und untersuchen ihn mit Hilfe von Ultraschall. Damit lassen sich in den meisten Fällen Gallensteine entdecken oder aber auch als Ursache ausschließen.

Sind spezielle Fragenstellungen zu klären, nutzen wir weitere Untersuchungen wie zum Beispiel eine Kernspintomographie der Gallenwege (MRCP) oder eine Endosonographie. Dabei wird ein Endoskop über Speiseröhre und Magen in den Zwölffingerdarm bis in die Gallengangsmündung geführt.

 

Wie lassen sich Gallensteine behandeln?

Um Gallensteine aus dem Gallengang zu entfernen, setzen wir die sogenannte endoskopisch-retrograde Cholangio-Pankreatikographie (kurz: „ERCP“) ein. Dabei wird ein dünner, biegsamer Schlauch – ähnlich wie bei einer Magenspiegelung – über Mund und Magen bis in den Dünndarm zur Mündung des Gallengangs geführt. Mit Hilfe eines Kontrastmittels und eines Röntgengeräts werden so die Gallengänge sichtbar gemacht.

Einerseits eignet sich die Methode, um Erkrankungen von Gallengang und –blase zu bestätigten oder auszuschließen. Andererseits können während der Untersuchung auch kleinere therapeutische Eingriffe vorgenommen werden. So können die Gallensteine mit Hilfe des Endoskops entfernt werden. Ebenso können Engstellen im Gallengang geweitet und Platzhalter, sogenannte Stents, eingesetzt werden, um den Gallengang dauerhaft offen zu halten.

 

Die Gallensteine sind weg, das Problem ist damit gelöst?

Leider nicht… Denn es hat sich gezeigt, dass diese immer wieder kommen, wenn nicht die komplette Gallenblase entfernt wird. So ist bei Gallensteinen, die Koliken verursacht haben, eine Operation die Therapie der Wahl.

 

 

 

 

 

 

Da kommen Sie, Herr Prof. Fürst, als Direktor der Klinik für Chirurgie, und ihr Team ins Spiel…

Genau. Denn um die Gallenblase komplett zu entfernen, ist ein chirurgischer Eingriff nötig. Dieser kann in aller Regel minimal-invasiv mit der Schlüssellochtechnik erfolgen. Diese sogenannte Cholezystektomie ist einer der häufigsten Eingriffe in der Bauchchirurgie.

 

Was genau bedeutet minimal-invasiv?

Das heißt, es braucht nur 3-4 wenige Millimeter große Hautschnitte, durch die wir die Operationsinstrumente in den Bauchraum führen. Mit Videotechnik können wir uns ein genaues Bild über den Zustand der Gallenblase verschaffen und die Gallenblase schonend entfernen.

 

Was ist der Vorteil an dieser Methode?

Die Patienten haben in der Regel wenig Schmerzen nach der Operation, erholen sich rascher und können so schneller in ihren gewohnten Alltag zurückkehren. Neben dem vorteilhaften kosmetischen Ergebnis sind spätere Narbenbrüche sehr selten geworden.

 

Müssen Patienten nach der OP etwas beachten?
Nein, eine besondere Diät oder sonstige Einschränkungen sind nicht nötig. Unabhängig davon raten wir aber natürlich immer zu einer gesunden Lebensweise mit einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend Bewegung.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

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